Bodyscan

BRANNTNEU ein angeleiteter Bodyscan zum mitmachen und entspannen, incl. Beschreibung und einführenden Text. Zu finden in ‚Practice Mindfulness Übungen‘  Bodyscan

HINWEIS: es handelt sich dabei NICHT um eine Anmache für die Disco, auch wenn das entspannt leichter geht… diesbezüglich bitte einen Flirtkurs besuchen, gibt’s nicht bei mir 😉

Die Betrachtung der Gefühle

Wenn ich einatme weiß ich: ‚Ich empfinde ein Gefühl der Freude.’ Wenn ich ausatme weiß ich: ‚ Ich empfinde ein Gefühl der Freude.’ 
Wenn ich einatme weiß ich: ‚Ich empfinde ein Gefühl des Glücks.’ Wenn ich ausatme weiß ich: ‚Ich empfinde ein Gefühl des Glücks.’
Einatmend bin ich mir der geistigen Formationen bewusst. Ausatmend bin ich mir der geistigen Formationen bewusst.
Einatmend lasse ich meine geistigen Formationen ruhig und friedvoll werden. Ausatmend lasse ich meine geistigen Formationen ruhig und friedvoll werden.

 

Die Gefühle von Freude und Glück sind ganz natürliche Folgen der meditativen Achtsamkeit die wir uns schenken. Die Achtsamkeit auf die Gefühle ist die zweite Stufe der Achtsamkeit und folgt auf die Achtsamkeit auf den Körper. Hier werden wir uns bewusst, wann wir Freude empfinden, ohne sogleich von dieser Freude davongerissen zu werden. Buddha Shakyamuni lehrt auch, dass Freude allein nicht genügt. Ihm zufolge ist es notwendig, über die Freude hinauszugehen und Glück zu verwirklichen. Glück kann in diesem Kontext auch als Leichtigkeit oder Zufriedenheit verstanden werden, d.h. wir empfinden zwar weiter Freude wie ein übererregtes, ausgelassenes Kind, aber Glück ist, laut Buddha, die Ruhe des Zufriedenseins und der Erfülltheit. Dazu gibt es von Buddha Shakyamuni folgende Metapher:

Ein Mann ist seit längerem in der Wüste unterwegs und knapp vor dem Verdursten. Plötzlich sieht er mitten unter Bäumen eine Oase mit einem Teich. Er empfindet Freude und Aufregung, läuft auf das Wasser zu, wirft sich am Ufer des Teiches nieder und schöpft sich das kühle, erfrischende Wasser in den Mund. Bis zu dem Moment, in dem er tatsächlich trinkt, empfindet er nichts als Freude. Doch sobald er getrunken und seinen Durst gestillt hat, fühlt er sich glücklich, und die stimulierende Aufregung der Freude ist verflogen.

Für uns Menschen im westlichen Kulturkreis sind die Begriffe ‚Gefühle’ und ‚Emotionen’ oft gleichbedeutend und austauschbar. Im Verständnis der buddhistischen Philosophie und Psychologie werden diese beiden Phänomene differenziert, die Gefühle und Empfindungen gehen den Emotionen voraus.

In unserem Alltag jedoch sind Gefühle, Empfindungen und Emotionen nicht so klar voneinander getrennt. Sie fließen ineinander, die Grenzen sind verschwommen, und unsere Wahrnehmung ist oft nicht achtsam genug um die Übergänge und Verschneidungen wahrzunehmen. In der meditativ-achtsamen Betrachtung der Gefühle entwickeln und schulen wir die Fähigkeit diese mehr und mehr voneinander unterscheiden zu können.

Im einleitenden Zitat gibt uns Buddha Shakyamuni einen Hinweis darauf, wovon er sprach als er uns nahe legte, unsere Gefühle zu betrachten.

Jedes mal, wenn der Praktizierende ein angenehmes Gefühl verspürt, ist er sich bewusst: ‚Ich verspüre ein angenehmes Gefühl.’ Jedes mal, wenn er ein unangenehmes Gefühl verspürt, ist er sich bewusst: ‚Ich verspüre ein unangenehmes Gefühl.’ Jedes mal, wenn er ein neutrales Gefühl verspürt, ist er sich bewusst: ‚Ich verspüre ein neutrales Gefühl.’

Es gibt drei Gruppen von Gefühlen oder Empfindungen. Sie können angenehm, unangenehm oder neutral sein. Gefühle und Empfindungen entstehen durch den Kontakt unserer Sinnesorgane (Augen, Ohren, Nase, Zunge, Mund, Haut, und in der buddhistischen Philosophie und Psychologie auch unseren Geist) mit der Welt. Es ist ganz wichtig, dass wir uns ihrer bewusst sind, denn sie legen fest, wie wir handeln, wie wir unsere Welterfahrung wahrnehmen und wie wir unsere subjektive Welt konstruieren. Normalerweise sind wir uns unserer Gefühle oder Empfindungen nicht bewusst, da sie sehr schnell auftauchen und vergehen. Da sie uns Großteils entgehen kann sich daraus ein großes Drama an Emotionen, Handlungen und Reaktionen entwickeln, das auf einer einzigen, ursprünglichen Empfindung beruht. Eine westlich-naturwissenschaftliche Grundlage dafür liefert die Tatsache, dass für einen von oder zu einem Sinnesorgan gehenden Nervenfaser, relativ betrachtet, ca. fünf Millionen intrakortikale Verbindungen existieren. Ein Impuls eines Sinnesorgans löst eine ganze Kaskade von Empfindungen, Gedanken und Interpretationen aus, die rein auf unseren persönlichen, vergangenen, Erfahrung und unserem Weltbild beruhen, wodurch eine größere oder kleinere Unschärfe zur äußeren Realität entsteht. Das geschieht im zeitlichen Rahmen von Millisekunden.

Dazu haben wir die Tendenz sehr viel Energie darauf zu verwenden, in unserem Denken und Handeln, unangenehme Gefühle zu unterdrücken und angenehme Gefühle zu wecken und aufrecht zu erhalten. Wir zerstören und distanzieren uns von unangenehmen Gefühlen, und wir verbarrikadieren uns hinter neutralen Gefühlen oder sind uns ihrer nicht bewusst. Festhalten, Abneigung und Unwissenheit sind die drei Wurzeln des Leidens, die unsere Erfahrung des Lebens einfärben. Deshalb werden sie auch die drei Gifte genannt. Es ist sehr wichtig, dass wir uns in Achtsamkeit gegenüber unseren Gefühlen üben, da wir sonst zu Sklaven oder Automaten werden. Gefühle lassen Stimmungen, Emotionen, Wahrnehmungen, Ideen oder Abhängigkeiten entstehen, die uns zu ungeschickten Handlungen und dadurch zu Leiden führen können.

Die Begierde bestimmte Gefühle entstehen zu lassen oder diese zu verlängern und die Ablehnung unangenehmer Gefühle beruht auf unseren Erfahrungen die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben und unserem darauf beruhenden individuellen Stresserleben und unseren Stressreaktionen. Zusätzlich richten erlernte Glaubenssätze und Motive unsere Wahrnehmung und unser Handeln in eine bestimmte für uns funktionierende Weise aus, sodass wir die auf uns einströmenden Stressoren mit den individuell erlernten Reaktionen bewältigen können. Die Fähigkeit Stress zu bewältigen ist eine überlebensnotwendige Grundkompetenz des menschlichen Wesens. Gelingt die Bewältigung von Stress als Anpassungsleistung an die Umwelt nicht mehr, wendet der Organismus mehr physische und psychische Ressourcen auf um den Stress zu bewältigen und gerät in eine negative Stressspirale. In dieser Phase gehen wir vermehrt über unsere persönlichen Grenzen, ohne einen entsprechenden Ausgleich zu schaffen, distanzieren wir uns noch weiter von unseren vermehrt auftretenden negativ erfahrenen Gefühlen wie z.B. der Vorstellung nicht genug Leistung erbringen zu können, dem Geforderten nicht zu entsprechen, es nicht zu schaffen, und es können Existenz- und Versagensängste entstehen deren Verdrängung, zur Aufrechterhaltung unseres inneren Gleichgewichts, noch mehr Ressourcen verbraucht.

Ein entsprechendes Stressmanagement, regelmäßiges Entspannungstraining und unsere Achtsamkeit auf die Gefühle unterstützen uns, so wie die Achtsamkeit auf den Körper auch, in Alltag und Beruf ein ausgeglichenes Leben zu gestalten. Wir erfahren uns als Wesen im lebendigen Wechsel von Anspannung und Entspannung, als Wesen mit Fähigkeiten und Möglichkeiten aber auch mit begrenzten Ressourcen und lernen unsere persönlichen Grenzen und Gefühlsreaktionen kennen. So verfeinern wir das wunderbare Werkzeug der Gefühle, das die menschliche Evolution im Laufe der Jahrmillionen in uns entwickelt hat.

Der Schritt unsere Achtsamkeit zusätzlich nach außen zu richten, auf unsere Eltern, Kinder, Familie, Freunde, Kollegen, Mitmenschen und die Mitwelt in der wir leben und diese in ihrer Kraft und Verletzlichkeit wahrzunehmen ist von da aus nicht mehr all zu groß.

Mögen alle Wesen frei, glücklich und zufrieden leben.

Atemachtsamkeit – das alles verbindende Band.

Schon Buddha Shakyamuni erkannte vor ca. 2.500 Jahren die zentrale Stellung der Atmung für den Menschen. Er gab umfassende Unterweisungen zur Entwicklung von Atmung und Atemachtsamkeit. Seiner Aussage zufolge ist in der Meditation kein anderes Element notwendig um den Weg zur Erleuchtung zu gehen wobei er aber hervorhob, dass jeder Mensch seinen eigene Weg und die für ihn passende Methode hat. Auch im Yoga, Qi Gong, Lu Jong, etc. ist der Atem ein grundlegendes Element aller Übungen.

Heute finden wir die Schulung der Atmung, neben dem spirituellen Bereich, im gesundheitspräventiven Bereich (Atemschule, Entspannungstraining, Achtsamkeitstraining) und im medizinischen und psychotherapeutischen Bereich (MBSR, MBCT, Embodiment, als Therapiebaustein bei Angst- und Panikstörungen). Auch bei den täglichen Momenten der Entschleunigung ist der bewusst eingesetzte Atem ein sehr guter Freund.

Die Grundlage der Wirkung der Atmung ist die Zusammengehörigkeit von Körper und Psyche beim Menschen. Leider haben sich viele Menschen im Westen in den letzten Jahrhunderten vom Irrglauben René Descartes (dessen Leistungen auf anderen Ebenen dadurch nicht geschmälert werden soll) und seiner Anhänger verführen lassen. Heute nähern wir uns langsam wieder dem aristotelischen Paradigma der Ganzheitlichkeit, was durch die Integration verschiedenste Konzepte in die westliche Medizin und Psychologie (z.B. TCM, Homöopathie, MBSR, etc.) zum Ausdruck kommt.

 

Wo ist die Atemachtsamkeit verortet?

Grundlegend werden vier Arten von Achtsamkeit unterschieden. Diese sind:

  • Achtsamkeit auf den Körper
  • Achtsamkeit auf die Emotionen und Gefühle
  • Achtsamkeit auf den Geist
  • Achtsamkeit auf die Dharmas (die Bausteine der Realität, Phänomene)

Atemachtsamkeit ist die sich durch alle Achtsamkeitsbereiche ziehende Grundlage, das Band das alles verbindet.

 

Wie wirkt Atemachtsamkeit auf Körper und Geist?

Im menschlichen Körper findet sich die Verbindung zwischen Körper und Psyche in verschiedenen Bereichen, so im Nervensystem, im Meridiansystem, in den Chakren, etc. Das menschliche Nervensystem wir in das Zentrale Nervensystem (ZNS) und das periphere Nervensystem (PNS) gegliedert. Das PNS wird in das somatische und das vegetative Nervensystem unterteilt, das vegetative Nervensystem in die beiden antagonistisch (gegenteilig) wirkenden Systeme des Sympathikus und des Parasympathikus.

Der Sympathikus sorgt bei Aktivierung für eine Leistungssteigerung und wird u.a. durch Stress- und Notfallsituationen aktiviert. Symptome seiner Aktivierung sind eine Beschleunigung von Herzschlag und Atmung, eine Erhöhung von Blutdruck und Durchblutung sowie der Spannung der Skelettmuskulatur, erhöhte Vigilanz, Tunnelblick, erhöhte Hautleitfähigkeit. Für die sofortige Aktivität und Leistungsbereitschaft nicht unbedingt notwendige Vorgänge werden unter seinem Einfluss gehemmt, so z.B. die Verdauung, die Funktion der inneren Drüsen und die Wahrnehmung subtiler emotionaler Reize.

Der Parasympathikus wird auch als der ‚Ruhenerv’ bezeichnet. Überwiegt sein Einfluss, stehen die Zeichen im Körper verstärkt auf Entspannung, Regeneration und den Aufbau körperlicher Reserven. Am Herzen bewirkt der Parasympathikus eine Senkung der Schlagfrequenz und der Pumpkraft, unter seinem Einfluss verlangsamt sich auch die Atemfrequenz. Er verstärkt die Magen-Darm-Tätigkeit und regt die Freisetzung von Verdauungsenzymen in den Darm an. Der Stirnlappen des Gehirns wird bei parasympathischer Aktivierung besser durchblutet.

Das Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus ermöglicht es dem Körper feine Nuancen der Regulierung vorzunehmen.

Atemachtsamkeit nutzt den im Körper vorhandenen natürlichen Rückkoppelungsmechanismus der Atmung mit dem vegetativen Nervensystem. In Stressreaktionen steigt die Atemfrequenz, in Ruhephasen sinkt sie. Durch ruhige und tiefe Bauchatmung kann der Körper darin unterstützt werden, den Parasympathikus zu aktivieren. Je öfter und besser dieser Mechanismus geübt wird, umso leichter fällt es dem Körpergedächtnis die entsprechenden Reaktionen zu aktivieren. Herzfrequenz und Blutdruck sinken, die exekutiven Gehirnfunktionen und die Spiegelneuronen können besser arbeiten, die Wahrnehmung der Gesamtsituation weitet sich, die emotionale Lage wird heller und stabiler, weniger Stresshormone gelangen in den Blutkreislauf.

Langfristige Folgen des regelmäßigen Übens von Atemachtsamkeit können eine stabilere und ruhigere emotionale Lage, eine optimistischere Stimmung und bessere soziale Beziehungen, eine klarere Sicht der aktuellen Situation, ein stärkeres Immunsystem, ein weicherer Grundtonus der Muskulatur, u.a. positive gesundheitliche Folgen sein.

Atemachtsamkeit kann gelernt und jederzeit und überall, frei von religiösen oder ethischen Hintergründen, praktiziert und geübt werden.

Wer schließlich über der Vorstellung, dass die Atome und Moleküle der Luft, die er/sie einatmet und wieder ausatmet aus den Blättern der Bäume heraus entstanden ist und schon in den Lungen und Körpern unzähliger anderer Wesen des Planeten Erde war, meditiert, kann ev. auch das Bewusstsein erlangen, dass die trennenden Grenzen zwischen ihm/ihr und der umgebenden Mitwelt viel dünner und durchlässiger sind als er/sie es sich bis dahin vorstellt hat.

Nachhaltige Unterstützung

Mindful & Creative unterstützt ab sofort mit 10% des Gewinns aus den Kursen und Veranstaltungen nachhaltige und professionelle Projekte in den Bereichen Kinder, Frauen, Bildung und Umwelt. Die Projekte wurden in Bezug auf die Brisanz der Lage der im jeweiligen Projekt unterstützten Personen, Nachhaltigkeit, Unabhängigkeit, Initiative, Transparenz und transportierte ethische Werte ausgewählt.

Weitere Informationen zu den Projekten finden sich in der Rubrik ‚Nachhaltige Unterstützung‘.

Jeden Augenblick deines Lebens

Fülle dein ganzes Herz, dein ganzes Wesen mit Magie, Weisheit und Liebe, auf dass alle Wesen frei, glücklich und zufrieden leben mögen.

Der mehrdimensionale Mensch als Künstler und Kunstwerk

Wird Gesundheit als Fähigkeit verstanden (siehe vorheriger Artikel: Achtsamkeit und Gesundheit) kann Gesundheit als schöpferischer Akt, der mit künstlerischen Schaffen vergleichbar ist gesehen werden. Aus dieser Perspektive fällt Gesundheit in den erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys (siehe Artikel: Kreativität und Achtsamkeit im Alltag).

In seinem 1964 veröffentlichten Werk ‚Der eindimensionale Mensch’ entwirft der deutsch-amerikanische Soziologe und Philosoph Herbert Marcuse ein Referenzwerk der 68er Generation, in dem er die Reduzierung des Menschen auf Arbeit und Konsum kritisch hinterfragt. Marcuses Gegenentwurf des mehrdimensionalen Menschen beinhaltet die Inklusion der menschlichen, vitalen Bedürfnisse nach Freude und Glück und die ästhetisch-erotische Dimension. Marcuse spricht sich dafür aus, die verschiedenen lebensrelevanten Dimensionen Arbeit und Spiel sowie Technik und Kunst sinnvoll zu vereinen.

Viktor Frankl geht bereits davon aus, dass der Mensch nur mehrdimensional betrachtet werden kann und Eindimensionalität eine Verzerrung des Menschen und des Menschenbildes zur Folge hat. Er verwirft die These vom Menschen als rein von Bedürfnissen und Trieben gesteuert und versteht den Menschen als weltoffenes Wesen, das auf der Suche nach Sinn in seinem Leben damit auf etwas über ihn hinausgehendes, transzendentes zu verweisen versucht.

Für Günther Ammon, einem Berliner Psychiater und Psychoanalytiker, bedeutet die Mehrdimensionalität des Menschen das Potential an konstruktiver Lebensentfaltung, das aus dem Einklang von Körper , Geist und Seele erwächst und einen wichtigen Beitrag zu einer menschenorientierten Gesellschaft leistet.

Im Bereich der Pädagogik ist das Verständnis vom Menschen als ganzheitliches Wesen z.B. bei A. S. Neill oder Carl R. Rogers zu finden und in der Praxis u.a. mit dem Etikett ‚Mehrdimensionales Lernen’ versehen.

Meine Prämisse ist, dass der Mensch im schöpferischen, kreativen Schaffen in verschiedenen Bereichen seines Lebens (z.B. Technik, Kultur, Soziales, Transzendentes, etc.), die je nach persönlichen Interessen unterschiedlich gelagert und gewichtet sind, seinen Sinn findet. Ein Aspekt von Gesundheit beinhaltet die Fähigkeit diese verschiedenen Bereiche im Leben zu entwickeln und zu integrieren und somit ein sinnhaftes Bild von sich zu gestalten. Dabei gehört zur Lebenskunst immer auch die Bereitschaft und die Fähigkeit sich selbst und die eigenen Lebensumstände wahrzunehmen, zu verarbeiten und den eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten gemäß zu gestalten. Entspannung und Achtsamkeit sind dabei essenzielle Fertigkeiten. Die Anwendung dieser ‚Werkzeuge’ ist sehr hilfreich wenn es darum geht aus der alltäglichen Gefangenheit, dem Autopiloten des Alltags zurückzutreten und wie ein Maler, der von der Leinwand zurücktritt und sein Bild betrachtet, die Innenwelt und die Außenwelt in einer besonderen Qualität wahrzunehmen. In entspannt-achtsamer Innerlichkeit übe ich die Aspekte meines Lebens beurteilungsfrei zu betrachten und gemäß meiner ethischen Prämissen zu gestalten.

Insofern gilt es den Eigen-Sinn zu kultivieren, denn Lebenskünstler leben nicht nur besser, sondern auch länger. Friedlich sei dein Tag, voller Möglichkeiten sei dein Leben.

Achtsamkeit und Gesundheit

Seit den 1960er Jahren hat sich der an der westlichen Schulmedizin orientierte Gesundheitsbegriff vom krankheitszentrierten Blickwinkel zum salutogenesischen Aspekt verlagert, in dem weniger die Risikofaktoren sondern die Gesundheitsförderung im Sinne der Stärkung und Entwicklung von Gesundheitsressourcen im Mittelpunkt steht. Gesundheit wird in diesem Kontext zunehmend als Fähigkeit betrachtet. Nach Hurrelmann und Franzkowiak ist Gesundheit ein Gleichgewicht von Risikofaktoren und Schutzfaktoren. Dieses Gleichgewicht tritt ein, wenn der Mensch über die entsprechenden Ressourcen und Fähigkeiten verfügt, die inneren (körperlichen und psychischen) und die äußeren (sozialen und materiellen) Anforderungen (Stress) zu bewältigen. Das Ergebnis ist ein Stadium in dem der Mensch Wohlbefinden und Lebensfreude empfindet. Auf Basis dieser Definition, in der der Begriff Gesundheit mit dem der Fähigkeiten verbunden ist, beschäftigt sich Gesundheitsförderung mit Maßnahmen zur Schulung und Entwicklung dieser Fähigkeiten. Zudem wird Gesundheit in den gängigen Gesundheitsmodellen als dynamischer Prozess gesehen, der durch Interventionen (z.B. Verhaltensänderung) erhalten oder etabliert wird.

In der TCM (Traditionell Chinesische Medizin) ist dieser Gesundheitsbegriff unbekannt. Gesundheit ist hier das Resultat eines ausgewogenen und harmonischen Flusses von Qi (der Lebensenergie). Klimatische und emotionale Schwankungen sowie Ernährungsfehler und Überanstrengung stören den Fluss des Qi. Mittels konkreter Handlungen in der Ernährung, Meditation, regelmäßiger Bewegung, Spannungsregulation und Introspektion der Fluss des Qi harmonisiert. Methoden dafür sind Yoga, Qi Gong, Lu Jong, Meditation usw.

Auch in der europäischen Naturheilkunde werden die Gesundheitsressourcen mittels der Kräfte der Selbstregulation gestärkt. Zentrale Faktoren dabei sind ein förderlicher Tagesablauf, Ernährung, Bewegung, Entspannung und Psychohygiene.

Ernest Rossis Theorie der ‚ultradianen Rhythmen’ zufolge durchläuft jeder Mensch innerhalb eines Tages mehrere Aktivitäts- und Ruhephasen. Die Überforderung an Reizen und die Hektik der modernen Lebensweise lässt die Wahrnehmung der Aktivitäts- und Ruhephasen oft nicht zu. In Folge kommt es zu einer Abstumpfung der Binnenwahrnehmung und einem erhöhten Level an Hormonen, die eine Stressreaktion hervorrufen. Die Stresshormone bewirken, dass der Körper Signale wie Erschöpfung und Schmerzen betäubt und diese nicht wahrgenommen werden. Dabei braucht der Körper, um das Aktivitätslevel halten zu können, immer mehr Hormone sowie Nährstoffe, die aus den Körperreserven entnommen werden. Kann der Körper diese nicht mehr bereitstellen, kommt es zum endgültigen Zusammenbruch. Länger anhaltende Strapazierung manifestiert sich in Symptomen des chronischen Stresssyndroms wie z.B.: Beschleunigung des gesamten Verhaltens (Bewegungen, Sprache, etc.), Hyperaktivität, manisches Verhalten, Hast, unter Druck stehen, Reizbarkeit, Ungeduld, Zornesausbrüche, egozentrisches und narzistisches Verhalten, Blindheit für das eigene Verhalten, sozialer Rückzug. Werden diese Signale über Wochen oder Monate übergangen können Funktionsstörungen wie die Beeinträchtigung der Sinneswahrnehmung, Gedächtnisstörungen, ein Absinken der Reaktionsgeschwindigkeit, ein sinkendes Selbstwertgefühl und Depressionen entstehen. Folgen auf psychosomatischer Ebene können u.a. Magengeschwüre, Kopf-, Rücken-, und Muskelschmerzen, Herzkrankheiten, Atemwegskrankheiten, Schlafstörungen, Magen-Darm-Krankheiten und Immunschwäche sein.

Als Gegenmaßnahmen werden Phasen der Ruhe und Erholung empfohlen, in denen kein bestimmtes Ziel erreicht werden soll und tiefe Atmung geschehen kann, in denen nur beobachtet wird, was geschieht um auf diese Weise eine Beziehung zur eigenen Innerlichkeit zu kultivieren.

Achtsamkeit und Meditation

Die Welt erscheint uns unscharf, das Gehirn konstruiert aus den Phänomenen eine scheinbar feste Realität. In der meditativen Versenkung schwingt das Gehirn über längere Zeit so hochfrequent, wie es das sonst nur in kurzen Momenten macht. Ein Effekt davon ist, dass die Phänomene die wir wahrnehmen nicht durch den Geist bewertet werden. Meditation öffnet das Bewusstsein für die Innen- und Außenwelt, die vorhandenen Schubladen und Filter werden aufgelöst und man bekommt einen direkteren Zugang zu dem was ist. Es entsteht auch das Gefühl mehr bei sich, aber auch mehr bei seinen Mitmenschen und seiner Mitwelt zu sein.

Es gibt verschiedene Formen der Meditation: Vipassana, Samadhi und Mettameditation. In der allen Meditationsformen zugrunde liegenden Achtsamkeit, nähern wir uns, wie in der Meditation auch, Schritt für Schritt dem Erwachen aus unserem alltäglichen Dämmerzustand und betrachten uns und die Welt die vorhandenen Phänomene wie sie sind. Der Geist öffnet sich so für neue Erkenntnisse und Einsichten. Achtsamkeit ist die wichtigste Grundlage aller Meditationsformen.

Im Samadhi öffnet sich der Geist, leert sich und kommt zur Ruhe. Zur Hilfestellung kann man sich dabei auf einen Gegenstand z.B. einen Buddha oder auch den Atem konzentrieren. Samadhi wird daher auch ‚einspitzige Konzentration’ genannt. Samadhi bedeutet jedoch nicht das ruhige Verweilen im Gefühl des Glücks das sich einstellen kann. Es bedeutet vielmehr aus diesem Geisteszustand heraus die Geistformationen (skandhas) unserer sechs Sinne zu kontemplieren. Die Betrachtung der Skandhas kann auch im vertieft künstlerisch-kontemplativen Zustand erfolgen. Künstlerisches tun selbst ist zumeist ein Vorgang der Versenkung, der einspitzigen Konzentration.

Vipassana bedeutet so viel wie ‚die Dinge so sehen, wie sie sind’ und wird meist als Einsichtsmeditation bezeichnet. Vipassana findet seine Anwendung in einer Kombination aus ruhigem Verweilen und analytischer Konzentration. Dabei wandelt sich das analytisch-konzeptuelle Verständnis in eine nicht-konzeptuelle Erfahrung. Oder mit den Worten von Buddha Shakyamuni:

„So wie Feuer entsteht, wenn man zwei Hölzer aneinander reibt, entsteht analytische Weisheit aus einem konzeptuellen Zustand. Und so wie das Feuer größer wird und das gesamte Holz verbrennt, so vergrößert sich analytische Weisheit und verbrennt alle Konzepte.“

Wer schließlich seinen Geist von bestehenden und vorgefertigten Konzepten befreit hat kann in freier Kreativität schaffen.

Metta ist die wichtigste Meditationsform des Mahayana. Ziel dabei ist das Entfalten von bedingungsloser, allumfassender Güte. In Metta üben wir die freundlich wohlwollende Haltung allen Wesen, eingeschlossen uns selbst, gegenüber.

Mögen alle Wesen gesund, glücklich und zufrieden sein.

In mehreren Studien wurde die positive Wirkung, auch kurzer Mettameditation, auf die Selbstwahrnehmung und Wahrnehmung anderer Menschen in sozialen Situationen und eine qualitativ hochwertigere Gestaltung der interpersonellen Beziehungen nachgewiesen. Ebenso messbar ist ein positiver Effekt auf die allgemeine gesundheitliche Konstitution der Meditierenden, der in allen Bereichen der Anwendung von Achtsamkeitsübungen und Meditation nachweisbar ist.

Coming soon

Achtsamkeit und Gesundheit

Das Achtsame Gehirn

Atemachtsamkeit

Die Kunst der Entschleunigung

Das Leben im Autopiloten

Achtsamkeit für den Tag

Wenn du dir die Schuhbänder bindest, binde dir die Schuhbänder…

und wenn du es eilig hast, gehe langsam.