Was ist Achtsamkeit?

Der Begriff Achtsamkeit wird in der buddhistischen und in der westlichen Psychologie  weitgehend ähnlich verwendet, wobei er in der westlichen Form säkularisiert ist. Das in der buddhistischen Psychologie und Philosophie verwendete Pali-Wort für Achtsamkeit ist sati was mit ‚beobachten oder richtig sehen‘, ‚einer speziellen Art von Aufmerksamkeit und der kognitiven Evaluation‘, ‚zusammen mit Aufmerksamkeit‘, etc. übersetzt werden kann. Der Begriff sati beinhaltet auch den prozesshaften Charakter der Einsichten während des achtsamen Betrachtens eines Daseinsobjekts auf verschiedene Weise und aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Satipatthana bezeichnet den Weg der Achtsamkeit. Das Konzept der Achtsamkeit wurde in der buddhistischen Tradition über 2500 Jahre entwickelt und gepflegt und ist eine der wichtigsten Grundlagen der angewandten buddhistischen Psychologie und Philosophie.

In der westlichen Geistesgeschichte sind dem buddhistischen Konzept der Achtsamkeit verwandte Begriffe zu finden. So bei verschiedenen Mystikern der christlichen Ausrichtung, später auch bei verschiedenen westlichen Philosophen. Achtsamkeitspraxis wurde im Westen jedoch nicht so weit entwickelt und kultiviert wie in der buddhistischen Psychologie und Philosophie.

Im späten 19. Jh. aber vor allem im 20. Jh. hat sich im Zuge des Interesses und der Öffnung für östliche Lehren (angefangen bei C. G. Jung, Friedrich Nietzsche oder Arthur Schopenhauer) vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jhs. ein für Menschen der westlichen Geisteskultur brauchbarer Begriff von Achtsamkeit gebildet. Eine Pionierleistung ist die von John Karat-Zinn entwickelte MBSR, die heute im medizinisch-therapeutischen Bereich unhinterfragt akzeptiert ist. Besonders im Bereich der Salutogenese findet sich der Begriff Achtsamkeit wieder. Ausgehend von der MBSR wurden auch etliche Konzepte entwickelt um das Potential von Achtsamkeit im pädagogischen Bereich zu nutzen (z.B. Mind Up, Still Quiet Place, Inne Kid Program).

Die Dimensionen der Achtsamkeitspraxis:

  1. Die physische Dimension, besonders im Bereich der Salutogenese.
  2. Die psychische Dimension im therapeutischen, aber besonders im Bereich der Psychohygiene.
  3. Die ethische Dimension.
  4. Die spirituelle Dimension.

Dabei steht jedem frei, warum, in welcher Intensität, mit welchem Ziel er/sie Achtsamkeit übt und auf welche Dimension er/sie aufgrund eigener Bedürfnisse und Interessen fokussiert.

Mögen alle Wesen frei und glücklich sein.

Lächeln

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Entspannung als Burnout Prävention

Wie im Medienbericht ,Burn-out als Massenphänomen‘ zu lesen ist, handelt es sich bei der Diagnose ,Burnout’ um ein auch für Unternehmen relevantes Problem, das die Wirtschaftsleistung eines Unternehmens langfristig schädigt und mindert. Burnout führt zu langfristigen Krankenständen, die Arbeitsunfähigkeit der Betroffenen von einem halben bis zu einem Jahr ist keine Seltenheit bei dieser mit schweren physischen und psychischen Symptomen einhergehenden Krankheit. Burnout entstehe jedoch nicht von einen Tag auf den anderen sondern entwickelt sich über einen längeren Zeitraum. Kandidaten geraten über einen längeren Zeitraum immer tiefer in die Burnout-Spirale, die meist sehr ähnlich verläuft und in mehrere Phasen gegliedert werden kann. Einen typischen Burnout Verlauf gibt es zwar nicht, jedoch sehr ähnliche Muster die grob generalisiert werden können.

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Die Risikofaktoren liegen auf der beruflichen Ebene, also in der arbeitsweltlichen Umwelt, im privaten Bereich und in den Persönlichkeitseigenschaften. In Summe können die inneren und äußeren Faktoren mehr Kraft kosten als regeneriert werden kann, dies führt zu einer negativen Energiebilanz. Generell gesehen ist die Ursache, die sich aus den verschiedenen Komponenten zusammensetzt, eine Folge von langfristiger Überforderung oder Unterforderung. Gemäß unserer Leistungsgesellschaft wird hauptsächlich auf erstere Variante fokussiert. Die Hauptsymptome finden sich in den Bereichen emotionale Erschöpfung, psychische Erschöpfung, soziale Erschöpfung und physische Erschöpfung.

Grundsätzlich ist es wichtig Burnout nicht als Krankheit zu verstehen, die man sich holt, wie eine Grippe oder Masern, sondern als Prozess, der einer eigenen Dynamik folgt, der von den Menschen die sich in diesem Prozess befinden kaum als solcher wahrgenommen wird. Dieser Prozess kann jederzeit aktiv unterbrochen werden.

Je früher Betroffene aus der Stressspirale aussteigen umso leichter fällt dies. Ist der Burnout letztlich eingetroffen sind die Betroffenen zu erschöpft um alleine die Kraft zu Entspannung und Regeneration zu finden. In dieser Phase bedarf es professioneller medizinischer und psychotherapeutischer Unterstützung. Die meisten Behandlungskonzepte von Burnout beruhen auf den vier E’s

  • Erkennen,
  • Entlastung,
  • Erholung,
  • Ernüchterung.

Erholung bedeutet hier Entspannung und Ruhe bzw. Bewegung und anderen Aktivitäten zum Wiederaufladen der Energiespeicher. Hierher gehört die Aktivierung und Förderung von Ressourcen aller Art, sei es ein Wiederentdecken kreativer Fähigkeiten oder die Reaktivierung menschlicher Kontakte. Präventiv geht es darum eine gesunde innere Distanz zur Arbeit zu finden, den inneren Antreiber Perfektionismus zu zügeln, bewusst und achtsam zu leben und sich täglich unter Zuhilfenahme von Entspannungstechniken zu regenerieren. Daneben ist es wichtig neue Bereiche der Regeneration und Sinnfindung, wie z.B. Hobbies und soziale Kontakte, im Leben zu entwickeln.

Tipps zur Burnout Prävention

  • Eine gesunde innere Distanz zur Arbeit aufbauen
  • Die inneren Antreiber Perfektionismus, Einzelkämpfertum, etc. ablegen (hier hilft Achtsamkeits- und Mentaltraining)
  • Stressverstärkende Gedanken und Kognitionen (Einstellungen, Erwartungen, Ängste, etc.) verändern (auch hier hilft Achtsamkeits- und Mentaltraining)
  • Nein sagen lernen
  • Sich täglich erholen
  • Regelmäßig leichten Ausdauersport betreiben
  • Sich jeden Tag eine kleine Freude bereiten
  • Den eigenen Selbstwert steigern
  • Effektives Stressmanagement lernen und anwenden
  • Entspannungstechniken lernen und anwenden

Mögen alle Wesen frei, glücklich und zufrieden sein.

Entspannung lernen

So wie Materialien, die unter ständiger Spannung (Engl.: Stress) und Druck stehen und mit der Zeit müde werden, Risse bekommen und brechen, so werden auch der menschliche Körper und die Psyche mit der Zeit müde, bekommen ,Risse’ und brechen mit der Zeit. Die Risse äußern sich in Erschöpfungszuständen, das ‚Brechen des Materials‘ in Erschöpfungssyndromen und Burn-Out. Um langzeitig leistungsfähig, körperlich wie geistig und seelisch gesund zu bleiben und auch noch Freude und Glück empfinden zu können ist es wichtig regelmäßig zu entspannen. Wie das geht, welche Methoden und Techniken man anwenden kann, was die persönlich bevorzugten sind und wie sich Entspannung stressfrei in den Alltag integrieren lässt lernt man im Entspannungstraining. Entspannung ist eine in jedem Alter erlernbare Kompetenz. Neben den gesundheitlichen Aspekten und der positiven Wirkung auf den sozialen Lebensbereich ist aktiv geübte Entspannung eine wichtige Grundlage für Achtsamkeit und Kreativität.

Was also ist Entspannung?

Entspannung entsteht im menschlichen Körper aus dem Gegenspiel von Sympathikus und Parasympathikus. Der Sympathikus ist der Teil des Peripheren Nervensystems (PNS) der bei Gefahr oder empfundener Gefahr oder Bedrohung den Körper aktiviert und auf Flucht, Kampf oder Erstarren vorbereitet. Der Sympathikus ist bei der Geburt eines Menschen weitgehend entwickelt, da für das primäre Überleben grundlegend. Der Parasympathikus ist unser sogenannter Ruhenerv. Er aktiviert die Funktionen welche bei Entspannung zum Tragen kommen. Denken sie jetzt an ihren letzten schönen Urlaub, visualisieren sie ein Bild einer Szene in der sie Glück, Freude und Entspannung empfanden. Schließen sie die Augen und visualisieren sie die Szene vor ihrem inneren Auge. Was geschieht in diesem Augenblick mit ihrem Körper und ihrer Psyche? Beobachten sie die Reaktionen.

Ein ausgeglichenes Verhältnis von Sympathikus und Parasympathikus ist grundlegend für das Überleben und ein gesundes Leben.

Im Alltag ist Entspannung eine der fünf Säulen der menschlichen Gesundheit. Das folgende Bild entspricht einem ganzheitlichen Ansatz und wird auch in der Gesundheitslehre verwendet.

GesundheitDie fünf Säulen der Gesundheit

Gesundheit entsteht nach Anton Antonovsky in der Balance von Belastung und Regeneration. Die für die Gesundheitssäule Regeneration & Entspannung von Doris Kohlhmaier und Johannes Gosch entwickelte Entspannungspyramide verdeutlicht die Bereiche in denen der Mensch Entspannung und Regeneration erfahren kann. Als Basis dient ein gesunder und erholsamer Schlaf mit einer Dauer von in der Regel sieben bis acht Stunden pro Tag. Hier ist die Wahl des Schlafplatzes, die entsprechenden an den Tagesrhythmus angepassten Schlafzeiten aber auch eine entsprechende Psychohygiene, um den Kopf frei zu halten oder im Bedarfsfall zu bekommen, für einen erholsamen Schlaf wichtig.

Entspannungspyramide nach Kohlmaier GoschEntspannungspyramide nach Kohlmaier/Gosch

Gert Kaluzza propagiert den Begriff der Stresskompetenz, welche aus den Bereichen ‚instrumentelles Stressmanagement’ (den Alltag stressfreier gestalten), ‚mentales Stressmanagement’ (förderliche Einstellungen und Bewertungen entwickeln) und ‚regeneratives Stressmanagement’ (entspannen und erholen) besteht.

Kaluza Stresskompetenz.pngSäulen der Stresskompetenz nach Kaluzza

Fazit: Entspannung und Regeneration sind erlernbare Kompetenzen, die für ein erfülltes und gesundes Leben eine grundlegende Voraussetzung bilden.

Achtsamkeit und Gewaltfreie Kommunikation

Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist eine von vielen Methoden achtsam mit sich selbst und seinen Mitmenschen umzugehen. In den 1980er Jahren von Marshall B. Rosenberg entwickelt, ist die GFK ein Kind des konstruktivistischen Paradigmas, welches postuliert, dass jeder Mensch seine ihm persönlich eigene Wahrnehmung und Interpretation der Welt aufgrund seiner physischen und psychischen Voraussetzungen, seiner Erfahrungen und den daraus entstehenden Einstellungen, Bedürfnissen und Weltsichten, Verhaltensmuster, Ängste, Hoffnungen, Glaubenssätzen, etc. entwickelt. Kurz gesagt ist die GFK eine Methode der verbindenden Kommunikation und steht im Gegensatz zur ‚Gewalt’ anwendenden Kommunikation. Falsch verstanden ranken sich aber auch einige Mythen um die GFK, so z.B. dass man in der GFK sich alles sagen und vorschreiben lässt, dass es nur darum gehe, dem Anderen nachzugeben, weich zu kommunizieren, etc. Das ist mitnichten so, denn auch in der GFK geht es darum seinen Platz zu ‚verteidigen’ und sich ‚durchzusetzen’. Jedoch nicht mit Gewalt und gegen den Willen des oder der im jeweiligen Kommunikationsprozess beteiligten sondern mit Mut zur Transparenz, zur Selbstoffenbarung, zur Verletzlichkeit und zu konsensualen Entscheidungen sowie nicht-konsensualen Entscheidungen und deren Konsequenzen. Es geht in der GFK auch nicht, wie oft fälschlich angenommen, um einen starren Kommunikationsablauf, der protokollartig abgehandelt werden muss, sondern darum den eigenen Selbstwert, ohne dies auf Kosten des Gegenübers zu tun, hoch zu halten und den Selbstwert des Gegenübers nicht anzugreifen sondern zu respektieren. Das verbindet Rosenberg auch mit Virginia Satir, die in ihrem Modell ebenso einen Fokus auf den Selbstwert der im jeweiligen Kommunikationsprozess Beteiligten legt. Einen hohen Selbstwert zu haben ist ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen und es gibt verschiedene Wege und Methoden den Selbstwert hoch zu halten. Heilsame und nicht heilsame. Im Folgenden wird die Möglichkeit, die Achtsamkeit, in diesem Fall die nach innen und die nach außen gerichtete Achtsamkeit, im Zusammenhang mit dem Selbstwert bietet, ein wenig erörtert.

Nach innen und nach außen gerichtete Achtsamkeit wird in der buddhistischen Psychologie in verschiedenen buddhistischen Schulen (Traditionen) leicht variiert, hat im Großen und Ganzen aber einen gemeinsamen Nenner. Dieser besteht darin, dass nach innen gerichtete Achtsamkeit die fünf Daseinsgruppen, also die Existenzebenen (Körper, Gefühl, Wahrnehmung, Geist, Bewusstsein) nach innen betrachtet. Meint z.B.: was macht ein Phänomen, z.B. ein Blick oder ein Wort eines anderen Menschen mit mir. Was macht mein Körper dabei? Wie also reagiert mein Körper auf der ersten Daseinsgruppe? Werden die Muskel locker, oder habe ich ein angenehmes Gefühl dabei? Dies ist ein Indiz dafür, dass mich die Kommunikation entspannt, mein Parasympathikus (Ruhenerv) aktiviert ist und die Kommunikation für mich stimmig ist. Oder verspannt sich meine Schultermuskulatur, bekomme ich ein flaues Gefühl in der Bauchgegend? Da ist ein Indiz dafür, dass mich die Kommunikation Stresst und mein Sympathikus (Stressnerv) aktiviert wird. Erkenne ich die Reaktion meines Körpers kann ich das so annehmen und, wenn nötig, sanft und selbstbestimmt ergründen und ev. daran arbeiten mit ihnen umzugehen oder sie bewusst zu verändern. Die Reaktionen sind, mit etwas Übung, zunächst getrennt von einander, später zeitgleich, in allen Daseinsgruppen beobachtbar. (vgl. Die Betrachtung der Gefühle) Dazu ist es aber wichtig sich selbst zu erforschen, offen dafür zu sein, wie man tickt und funktioniert, was die Chance bietet nicht adäquate und eigentlich hinderliche oder viel Energie raubende Verhaltensweisen, Einstellungen etc. wahrzunehmen und entweder als Warnsignale einzusetzen und/oder in Ressourcen und förderliche Verhaltensweisen etc. zu verändern, was ein langer und anstrengender Weg sein kann, der verschiedener erlernbarer Techniken bedarf und der konsequent gegangen werden muss, dafür aber meist reich belohnt wird. Mit wachsender Selbstkompetenz, Selbstbestimmtheit und einem gesunden und echten Selbstwert. Deshalb schreibt Jon Kabat-Zinn auch, dass Meditation nichts für Feiglinge ist, sondern Mut braucht 😉 Aber zurück zum eigentlichen Thema, zur GFK.

Verbindende Kommunikation beginnt immer bei mir selbst. Stimmt ‚mein’ gesunder und unabhängiger Selbstwert, bin ich achtsam in mir verankert, mit mir verbunden, und nicht ein Blatt im Wind ‚meiner’ Gefühle, Emotionen, Gedanken, Konzepte und der Abhängigkeit von meinen Mitmenschen, kann ich meinem Gegenüber mit Stärke, Güte und Wohlwollen gegenübertreten und ihn oder sie dazu einladen auf Augenhöhe mit mir in Kontakt zu treten und zu kommunizieren. Ich kenne ‚meine’ Verhaltensweisen, Trigger, Ressourcen und Grenzen und weiß was ich bereit bin zu geben und nicht zu geben und kann das klar und sachlich kommunizieren. Angesehen davon kann das auch meinen Gesprächspartner entspannen, was gelungene Kommunikation grundsätzlich erleichtert. In der GFK sieht das so aus, dass im Prozess zuerst dem Gesprächspartner reflektiert wird, wie man das, was er/sie gesagt hat auch verstanden hat und welches Bedürfnis man dahinter sieht. Dies dient einerseits zum Abgleich, ob das was gesagt wird auch richtig verstanden wird, ev. kann korrigiert werden, und stärkt das Gefühl, dass man ehrliches Interesse aneinander hat. Um dies umzusetzen ist die geschulten Achtsamkeit nach außen hilfreich. Ein weiterer Teil der GFK ist die Selbstoffenbarung. Was sind meine Motive, meine Ängste, Wünsche, Erwartungen, Bedürfnisse? Selbstoffenbarung erfordert zwei Dinge. Erstens die Fähigkeit sich selbst zu kennen und die Winkelzüge des eigenen Selbst zu durchschauen und zweitens den Mut sich offen preis zu geben und verletzlich zu sein. Vielleicht denkt jetzt der eine oder die andere: „Aber ich bin doch nicht blöd, dass ich mich jedem Menschen, vor allem die, die was von mir wollen, was ich nicht zu geben bereit bin, offen präsentiere um dann verletzt oder manipuliert zu werden“. Das verlangt auch niemand und jeder entscheidet für sich selbst wie weit er/sie sich, mit den jeweiligen Konsequenzen, offenbart und seine Schutzmechanismen herunterfährt oder diese aufrechterhält und, sind wir uns ehrlich, bewusst ins offene Messer zu rennen zeugt eher von großer Dummheit… oder von großer Weisheit. Aber vielleicht kann man sich zumindest hie und da einen Schritt weit aus dem Fenster lehnen, sich aus der gemütlich eingerichteten Komfortzone hinausbewegen und so seine Persönlichkeit weiterentwickeln. Es gibt eine sehr schöne Geschichte Buddha Shakyamunis und seiner Begegnung mit einem seiner später liebsten Mönche, Ahimsaka. Dieser war vor der Begegnung mit Buddha ein gar fürchterlicher Bösewicht und Terrorist, der jeden, der ihm in die Quere kam den Garaus machte. Alle Menschen hatten panische Angst davor auch nur daran zu denken in seine Nähe zu kommen. Als Buddha davon erfuhr hatte er gerade nichts Besseres zu tun als diesem  Mörder einen Besuch abzustatten und dessen Leben grundlegend zu verändern. Nachzulesen ist die Geschichte u.a. hier http://kommundsieh.de/Angulima.html. Neben vielen Metaphern, die diese Geschichte in sich birgt, ist eine Bedeutung die, dass man immer stehen bleiben kann, sich also aus dem Betrieb des Alltags herausnimmt, sich Zeit nimmt sich mit Achtsamkeit zu erforschen und seine auftauchenden Ängste mutig annimmt, betrachtet und transformiert, so wie Buddha Ahimsaka angenommen und dieser sich verändert hat.

Mögen alle Wesen frei, glücklich und zufrieden sein.

Von der Motivation Achtsamkeit zu üben oder: Das Geschenk des Lebens

Jon Kabat-Zinn ist einer der bekanntesten Vertreter und Befürworter von Achtsamkeit im Westen. Die ausführlichen Erläuterungen seiner Gedanken und Ansichten lese ich immer wieder gerne, es bereitet mir Freude. Manche seiner Gedanken und Ansichten bestätigen die ‚meinen’, manche erweitern ‚meine’ und einige neue Aspekte, Perspektiven und Vertiefungen, und das ist für mich sehr bereichernd, sind auch immer wieder dabei. Seine Worte ermuntern mich immer wieder mich weiter zu erforschen, aktiv zu praktizieren und dabei in die Tiefe zu gehen und neue Aspekte zu erkunden. Sein Blickwinkel ist der eines aufgeklärten Westlers, der sich intensiv mit der buddhistischen Philosophie und Psychologie auseinander gesetzt hat und in beiden Systemen profunde Kenntnisse hat. Sehr angenehm empfinde ich seine Grundeinstellung, dass jeder Mensch in Selbstverantwortung für sich selbst herausfinden sollte ob, wie und wann er Achtsamkeit für sich nutzt oder lebt und, dass er (Jon Kabat-Zinn) vor allem keine religiösen Tendenzen aufdrängt oder missionarisch wirkt. Deshalb möchte ich heute gerne ein paar Zeilen von ihm mit euch teilen. Den Text findest du in seinem Buch ‚Zur Besinnung kommen – Die Weisheit der Sinne und der Sinn der Achtsamkeit in einer aus den Fugen geratenen Welt’, erschienen im Arbor Verlag.

Jedes mal wenn wir in der Lage sind, ein Begehren als ein Begehren zu erkennen, Zorn als Zorn, eine Gewohnheit als Gewohnheit, eine Meinung als Meinung, einen Gedanken als Gedanken, eine Torheit als Torheit oder eine intensive körperliche Empfindung als intensive körperliche Empfindung, sind wir dementsprechend befreit. Nichts anderes muss geschehen. Wir müssen nicht einmal das Begehren oder was es sonst sein mag aufgeben. Die Sache zu sehen und sie als Begehren oder was auch immer sie sein mag zu erkennen, reicht aus. In jedem einzelnen Moment praktizieren wir entweder Achtsamkeit, oder wir praktizieren de facto Achtlosigkeit. Wenn wir auf diese Weise sehen, entsteht vielleicht der Wunsch, mehr Verantwortung dafür zu übernehmen, wie wir der Welt innerlich und äußerlich in jedem gegebenen Moment begegnen, vor allem, wenn wir uns klarmachen, dass es in unserem Leben keine „Übergangsmomente“ gibt.

Meditation ist also sowohl überhaupt nichts – da wir nirgendwohin gehen und nichts tun müssen – als auch die schwerste Arbeit der Welt, da unsere Gewohnheit der Achtlosigkeit so stark ausgeprägt und so resistent dagegen ist, von unserem Gewahrsein durchschaut und abgebaut zu werden. Und wir brauchen Methoden, Techniken und Bemühungen, m unser Vermögen des Gewahrseins zu entwickeln und zu verfeinern, damit es die widerspenstigen Eigenschaften des Geistes, die ihn zeitweilig so trübe und unsensibel machen, zähmen kann.

Diese Charakteristika der Meditation, dass sie nämlich sowohl überhaupt nichts als auch die schwerste Arbeit der Welt ist, bedingen, dass ein hohes Maß an Motivation notwendig ist, damit wir üben können, ohne jedes Anhaften und ohne jede Identifikation vollkommen präsent zu sein. Doch wer möchte schon die schwerste Arbeit der Welt leisten, wenn wie sowieso schon mehr Dinge zu erledigen haben, als wir jemals erledigen können – wichtige Dinge, notwendige Dinge, Dinge, in deren Ausführung wir vielleicht sehr hängen, weil sie uns erlauben, das aufzubauen, was wir aufzubauen versuchen, oder dorthin zu gelangen, wohin wir zu gelangen versuchen, oder Dinge, die wir einfach nur hinter uns bringen wollen, damit wir sie auf unserer Aufgabenliste endlich abhaken können. Und wozu sollen wir meditieren, wenn das sowieso nicht bedeutet, irgend etwas zu tun, und wenn das Resultat all dieses Nichtstuns ist, dass wir niemals irgendwohin gelangen außer dorthin, wo wir bereits sind? Was hätte ich schließlich nach all meinen Nicht-Bemühungen, die doch so viel Zeit und Energie und Aufwendung verlangen, vorzuweisen?

Alles, was ich darauf antworten kann, ist folgendes: Jeder Mensch, den ich getroffen habe, der sich jemals auf die Übung von Achtsamkeit eingelassen hat und einen Weg gefunden hat, sie in seinem Leben für einen gewissen Zeitraum aufrechtzuerhalten, hat mir gegenüber irgendwann einmal – gewöhnlich dann, wenn er an einem absoluten Tiefpunkt war – das Gefühl zum Ausdruck gebracht, dass er sich nicht vorstellen könne, was er wohl ohne diese Praxis getan hätte. So einfach ist die Sache – und so tiefgreifend. Wer einmal Achtsamkeit praktiziert hat, der weiß, was das heißen soll. Wer sie nie praktiziert hat, der kann es auch nicht wissen.

Und natürlich fühlen sich die meisten Menschen anfangs deshalb zur Übung von Achtsamkeit hingezogen, weil sie unter Streß oder unter irgendwelchen Schmerzen leiden oder sie mit Aspekten ihres Lebens unzufrieden sind und das Gefühl haben, die Sache ließe sich vielleicht durch die sanfte Anwendung von direkter Beobachtung, Selbsterforschung und Mitgefühl mit sich selbst in Ordnung bringen. Streß und Schmerz werden so potentiell wertvolle Pforten, zu motivierenden Faktoren, durch die wir in die Praxis eintreten.

Und noch etwas: Wenn ich sage, Meditation sei die schwerste Arbeit der Welt, dann ist das nicht ganz richtig, wenn Sie nicht verstehen, daß ich damit nicht nur ‚Arbeit’ im üblichen Sinne meine, sondern ebenfalls Spiel. Meditation hat auch etwas Spielerisches, allein schon deshalb, weil es urkomisch ist, die Winkelzüge unseres Geistes zu beobachten. Er nimmt sich viel zu ernst, als daß wir ihn ernst nehmen könnten. Humor und eine spielerische Einstellung, die jeden Anflug von Schein-Heiligkeit unterminieren, sind ganz wesentliche Elemente der rechten Achtsamkeit. Außerdem: Vielleicht ist ja auch Elternsein die schwerste Arbeit der Welt. Aber wenn sie Mutter oder Vater sind – sind das dann zwei verschiedene Dinge?

[…]

Über die Allgegenwärtigkeit von Streß und Schmerzen in meinem eigenen Leben hinaus ist meine Motivation für das Üben von Achtsamkeit ganz einfach: Jeder verlorene Augenblick ist ein nicht gelebter Augenblick. Und jeder verlorene Augenblick macht es noch wahrscheinlicher, daß ich auch den nächsten Augenblick verliere und ihn versunken in achtlose Gewohnheiten automatischen Denkens, Fühlens und Handelns durchleben werde, statt in Gewahrsein, aus Gewahrsein heraus und durch Gewahrsein zu leben. Ich sehe, wie das immer und immer wieder passiert. Denken im Dienste von Gewahrsein ist der Himmel. Denken in Abwesenheit von Gewahrsein kann die Hölle sein. Denn Unachtsamkeit ist nicht bloß naiv oder unsensibel, unbeholfen du ahnungslos. Die meiste Zeit ist sie, bewußt oder unbewußt, ausgesprochen schädlich für uns selbst und für andere, denen wir begegnen oder mit denen wir unser Leben teilen. Außerdem ist das Leben zutiefst interessant, aufschlussreich und staunenswert, wenn wir uns dem Gewahrsein aus ganzem Herzen stellen und auf die Einzelheiten achten.

Wenn wir all sie verlorenen Momente zusammenrechnen, kann sich zeigen, daß Unaufmerksamkeit praktisch unser gesamtes Leben verschlingt und auf alles färbt, was wir tun, auf jede Wahl, die wir treffen oder dir zu treffen wir versäumen. Ist es das, wofür wir leben – unser Leben zu versäumen und damit zu vergeuden? Ich ziehe es vor, mich jeden Tag mit offenen Augen auf ein neues Abenteuer einzulassen, indem ich dem Aufmerksamkeit schenke, was das Wichtigste ist, selbst wenn ich mich dabei manchmal mit der Schwächlichkeit meiner Bemühungen (wenn ich sie für „meine“ halte) und der Zähigkeit meiner tiefwurzelnden und robotergleichen Gewohnheiten (wenn ich sie für „meine“ halte) konfrontiert sehe. Ich finde es nützlich, jedem Augenblick frisch zu begegnen, ihn als Neuanfang zu betrachten und immer wieder zum Gewahrsein des Jetzt zurückzukehren. Dabei hält mich eine sanfte, aber feste Ausdauer, die sich aus der Disziplin entwickelt, wenigstens einigermaßen offen zu sein für das, was auftaucht, so daß ich es anschauen, wahrnehmen und in die Tiefe gehend untersuchen kann, damit ich lernen kann, was immer aus der Situation zu lernen ist, indem ihre Natur offenbar wird.

Wenn wir der Sache einmal auf den Grund gehen: Was gibt es denn sonst zu tun? Wenn wir nicht in unserem Sein verwurzelt sind, wenn wir nicht in Wachheit verwurzelt sind, vergeuden wir dann nicht das Geschenk unseres Lebens und die Chance, von wirklichem Nutzen für andere zu sein? Es ist hilfreich, wenn ich mein Herz von Zeit zu Zeit frage, was genau jetzt, in diesem Augenblick, das Allerwichtigste ist, und dann sehr genau auf die Antwort höre. Wie Thoreau am Ende von Walden sagt: „Nur der Tag bricht an, für den wir auch wach sind.“

Mögen alle Wesen frei, glücklich und zufrieden sein.

Erholsamer Schlaf darf keine Luxusware sein!

Die neuesten Schlafnachrichten 😉 Schlaf als neues Statussymbol

Schlechter Schlaf? Nicht bei mir 🙂 Mein persönlich erprobtes bestes Mittel für guten Schlaf: Entspannungsübungen. Der Kopf wird frei vom sich drehenden, drehenden, drehenden… Gedankenkarussell, die Muskeln (verspannte Schultern, muskuläre Rückenschmerzen, Kieferbeißen,…) entspannen sich und werden geschmeidig , die Stimmung hebt sich, die Gesundheit wird nachweislich gestärkt (der Parasympathikus wird aktiviert, das Immunsystem wird gestärkt, Herz- und Gehirninfarktrisiko werden minimiert, Magen-Darm Beschwerden werden positiv beeinflusst, etc.). Entspannung ist  nachhaltig, und hat unzählige weitere positive Nebenwirkungen und so ganz nebenbei wird nicht die Wirtschaft und die Industrie gefördert, die langfristig nur neuen Müll produziert für ein künstlich gepushtes neu entwickeltes Marktsegment. Kein Produkt kaufen und nach einigen Jahren wieder wegwerfen, sondern nachhaltig und selbstbestimmt Handeln, und es kann ganz einfach, immer und überall angewandt werden. Bedürfnisorientiert eben, mit Wohlfühl- und Spaßfaktor, garantiert. Denn nicht nur Menschen die es sich leisten können haben ein Recht auf genügend und erholsamen Schlaf, sondern alle Menschen. Mögen alle Wesen frei, glücklich und zufrieden leben.