Achtsamkeit und Glück

Achtsamkeit und Glück. Wie hängt das zusammen? Nicht nur alle Menschen, sondern alle Wesen streben zum Glück, versuchen für sie heilsames zu erlangen und für sie Schädliches und Unheilsames zu vermeiden. Dabei erleben wir oft, dass Glück nicht von Dauer ist, es ist vergänglich. Wohlstand vergeht, Reiche bangen oft um ihren Reichtum, in der Jugend volles Haar wird grau und schütter, Geliebte werden getrennt, Neuwagengeruch vergeht und Rost setzt an… es gibt unzählige weitere Beispiele. Warum ist das so?

Ein grundlegendes Problem ist unser Verständnis von Glück. Das Glück welches wir im Alltag allgemein suchen ist ein in der relativen Welt liegendes Glück. Dieses Glück ist ein Phänomen welches, wie alle Phänomene, dem gegenseitig abhängigen Entstehen, der Veränderung und der Vergänglichkeit unterworfen ist. Unser einst jugendlich frischer Körper z.B. kann nicht unabhängig von seiner Umwelt existieren, er verändert sich permanent, wird älter, schließlich von den Jahren gebeugt, krank und vergeht letztlich. Wenn unser Körper vergeht, können wir weder unseren angesammelten Besitz noch unsere Lieben und Freunde mitnehmen. Wie also sollen wir bei dem Gedanken daran überhaupt glücklich sein? Nun, die Antwort liegt auf der Hand.

Aus der Perspektive einer achtsamen Haltung und Lebensführung genießen wir unser Glück, unsere Freuden und die Freude, welche wir anderen bereiten dürfen. Dabei wissen wir jedoch stets, dass diese Freude, dass dieses Glück vergänglich ist und, dass diese Vergänglichkeit die normalste Sache der Welt ist. Egal wie sehr wir uns davon ablenken, wir können es nicht ändern. Achtsamkeit ist die Überwindung unserer Anhaftungen an unsere mentalen Konditionierungen und Prägungen sowie der daraus resultierenden Erfahrungen. Und darin liegt der Schlüssel zum Glück. Wir üben nicht Achtsamkeit um glücklich zu sein, sondern wir sind einfach ganz natürlich glücklich, weil wir achtsam leben. Wenn wir im Hier und Jetzt Glück erfahren freuen wir uns darüber. Wir wissen jedoch auch, dass diese Erfahrung, wie alle anderen Erfahrungen, vergänglich ist. Deshalb sind wir auch nicht unglücklich wenn die Erfahrung von Glück vorüber ist sondern erkennen dies als Teil des natürlichen Wandels der Dinge.

Viele Achtsamkeitsangebote werben mit der Zunahme von Glück in Form von verstärkter Resilienz, psychischer und physischer Gesundheit, optimierten Organisationsprozessen, mehr Konzentration, mehr Kreativität, einer besseren Partnerschaft, etc. Das sind alles wünschenswerte Effekte und sie können bei entsprechender Achtsamkeitspraxis auch eintreten. Sie sind jedoch nicht das Ziel einer umfassenden und authentischen Achtsamkeitspraxis, denn wenn dies unsere Ziele der Praxis sind haften wir immer noch an unseren mentalen Konzepten und am vergänglichen relativen Glück an. Diese Formen von Glück sind von äußeren Umständen abhängig und dem Wandel der Phänomene unterworfen. Überwinden wir jedoch unsere Anhaftung an unseren mentalen Konditionierungen und Prägungen und den damit verbundenen Begierden und Abneigungen sind wir emotional unabhängig und frei. Dann stellt sich ganz von selbst grundlose Freude und Glück ein. Die ethische Dimension am so erfahrenem Glück liegt schließlich darin dieses eigene Glück mit anderen Menschen zu teilen und uns mit ihnen zu freuen, wenn sie Glück erfahren.

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