Achtsamkeit und Gesundheit

Seit den 1960er Jahren hat sich der an der westlichen Schulmedizin orientierte Gesundheitsbegriff vom krankheitszentrierten Blickwinkel zum salutogenesischen Aspekt verlagert, in dem weniger die Risikofaktoren sondern die Gesundheitsförderung im Sinne der Stärkung und Entwicklung von Gesundheitsressourcen im Mittelpunkt steht. Gesundheit wird in diesem Kontext zunehmend als Fähigkeit betrachtet. Nach Hurrelmann und Franzkowiak ist Gesundheit ein Gleichgewicht von Risikofaktoren und Schutzfaktoren. Dieses Gleichgewicht tritt ein, wenn der Mensch über die entsprechenden Ressourcen und Fähigkeiten verfügt, die inneren (körperlichen und psychischen) und die äußeren (sozialen und materiellen) Anforderungen (Stress) zu bewältigen. Das Ergebnis ist ein Stadium in dem der Mensch Wohlbefinden und Lebensfreude empfindet. Auf Basis dieser Definition, in der der Begriff Gesundheit mit dem der Fähigkeiten verbunden ist, beschäftigt sich Gesundheitsförderung mit Maßnahmen zur Schulung und Entwicklung dieser Fähigkeiten. Zudem wird Gesundheit in den gängigen Gesundheitsmodellen als dynamischer Prozess gesehen, der durch Interventionen (z.B. Verhaltensänderung) erhalten oder etabliert wird.

In der TCM (Traditionell Chinesische Medizin) ist dieser Gesundheitsbegriff unbekannt. Gesundheit ist hier das Resultat eines ausgewogenen und harmonischen Flusses von Qi (der Lebensenergie). Klimatische und emotionale Schwankungen sowie Ernährungsfehler und Überanstrengung stören den Fluss des Qi. Mittels konkreter Handlungen in der Ernährung, Meditation, regelmäßiger Bewegung, Spannungsregulation und Introspektion der Fluss des Qi harmonisiert. Methoden dafür sind Yoga, Qi Gong, Lu Jong, Meditation usw.

Auch in der europäischen Naturheilkunde werden die Gesundheitsressourcen mittels der Kräfte der Selbstregulation gestärkt. Zentrale Faktoren dabei sind ein förderlicher Tagesablauf, Ernährung, Bewegung, Entspannung und Psychohygiene.

Ernest Rossis Theorie der ‚ultradianen Rhythmen’ zufolge durchläuft jeder Mensch innerhalb eines Tages mehrere Aktivitäts- und Ruhephasen. Die Überforderung an Reizen und die Hektik der modernen Lebensweise lässt die Wahrnehmung der Aktivitäts- und Ruhephasen oft nicht zu. In Folge kommt es zu einer Abstumpfung der Binnenwahrnehmung und einem erhöhten Level an Hormonen, die eine Stressreaktion hervorrufen. Die Stresshormone bewirken, dass der Körper Signale wie Erschöpfung und Schmerzen betäubt und diese nicht wahrgenommen werden. Dabei braucht der Körper, um das Aktivitätslevel halten zu können, immer mehr Hormone sowie Nährstoffe, die aus den Körperreserven entnommen werden. Kann der Körper diese nicht mehr bereitstellen, kommt es zum endgültigen Zusammenbruch. Länger anhaltende Strapazierung manifestiert sich in Symptomen des chronischen Stresssyndroms wie z.B.: Beschleunigung des gesamten Verhaltens (Bewegungen, Sprache, etc.), Hyperaktivität, manisches Verhalten, Hast, unter Druck stehen, Reizbarkeit, Ungeduld, Zornesausbrüche, egozentrisches und narzistisches Verhalten, Blindheit für das eigene Verhalten, sozialer Rückzug. Werden diese Signale über Wochen oder Monate übergangen können Funktionsstörungen wie die Beeinträchtigung der Sinneswahrnehmung, Gedächtnisstörungen, ein Absinken der Reaktionsgeschwindigkeit, ein sinkendes Selbstwertgefühl und Depressionen entstehen. Folgen auf psychosomatischer Ebene können u.a. Magengeschwüre, Kopf-, Rücken-, und Muskelschmerzen, Herzkrankheiten, Atemwegskrankheiten, Schlafstörungen, Magen-Darm-Krankheiten und Immunschwäche sein.

Als Gegenmaßnahmen werden Phasen der Ruhe und Erholung empfohlen, in denen kein bestimmtes Ziel erreicht werden soll und tiefe Atmung geschehen kann, in denen nur beobachtet wird, was geschieht um auf diese Weise eine Beziehung zur eigenen Innerlichkeit zu kultivieren.

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