Was bewirkt das Üben von Achtsamkeit?

Das menschliche Gehirn besteht aus ca. 100 Milliarden Neuronen (Nervenzellen). Nur zirka vier Millionen davon gehen aus dem Gehirn hinaus bzw. hinein und verbinden das Gehirn mit der Außenwelt. Aufgrund dieses Verhältnisses ist das menschliche Gehirn großteils selbstreferent, das heißt, dass es sich die meiste Zeit mich sich selbst beschäftigt. Daneben verfügt das menschliche Gehirn bis ins hohe Alter über eine nicht immer gleichbleibende Neuroplastizität, was bedeutet, dass sich Strukturen im Gehirn je nach Bedarf verändern und es, entgegen der heute veralteten Annahme dass es das nicht kann, über die gesamte menschliche Lebensspanne Neuronen auf- und auch abbaut. Daneben werden bestehende Verbindungen bei oftmaliger Benutzung ausgebaut und verstärkt. Ähnlich wie sich ein Weg, der oft benutzt wird immer weiter verbreitert.

Unsere Denk- und Verhaltensmuster sind in unserem Gehirn ‚gespeichert’. Im Alltag nehmen wir bestehende Denk- und Verhaltensmuster meist nicht wahr, sie sind unsere automatischen Hintergrundprogramme. Je öfter ein Hintergrundprogramm eingesetzt wird, z.B. ‚ärgerlich werden’ in einer bestimmten Situation und eventuell die nach außen gerichtete Reaktion darauf eintritt, umso wahrscheinlicher ist es, dass dieses Verhalten wieder auftritt. Man spricht hier von einer Verhaltensdisposition.

Eine Achtsamkeitsübung ist es, sich seiner Gedanken oder Gefühle in einer bestimmten Situationen bewusst zu werden, sie wohlwollend zu betrachten, ohne sie im Moment der Bewertung zu beurteilen oder sich selbst dadurch zu be- oder zu verurteilen. Durch die analytische Kontemplation (Betrachtung) der Zusammenhänge über das Entstehen und die Auswirkungen der Gefühle, der Gedanken, Bewertungen etc. können wir uns von diesen innerlich distanzieren und neue, alternative Bewertungen, Gedanken, Gefühle dazu in unserer Vorstellung durchspielen. Da es dem Gehirn Wurst ist ob wir etwas real erleben oder nur in der Vorstellung wirkt diese Imagination für Gehirn gleich wie das reale Erleben dieser Situation. Der Effekt ist, dass sich das Gehirn, aufgrund seiner grandiosen Plastizität neu vernetzt, wir selbst dadurch aktiv unsere Verhaltensdispositionen beeinflussen und uns damit neu kreieren.

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